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Psychoanalytisches Business Coaching

An der Spitze ist die Luft dünn – Alleinsein und Einsamkeit in der Führungsetage

In Führungskreisen ist das Phänomen bekannt – je mächtiger und befugter man ist, desto häufiger müssen Entscheidungen getroffen und die Verantwortung dafür getragen werden. Egal in wie vielen Meetings, Telefonaten oder e-Mails ein Thema besprochen wurde, die Verantwortung für die Entscheidung kann den Führungskräften niemand abnehmen. Gerade in Spitzenpositionen stehen Führungskräfte unter ständiger Beobachtung, müssen sich beweisen, sich gegen Konkurrenten durchsetzen und ihren Mitarbeitern – mit der entsprechenden Distanz – Orientierung bieten. Mit den damit verbundenen Zweifeln, Ängsten, Unsicherheiten und Sorgen, welche nur allzu oft als Schwäche gesehen und daher verborgen werden, sind Führungskräfte oft allein – das Gefühl der Einsamkeit entsteht. Hier stellt sich die Frage, was eigentlich hinter dem Konzept des Alleinseins und der Einsamkeit steckt, warum diese beiden Zustände von Führungskräften oft so unterschiedlich erlebt werden und wie man damit einen besseren Umgang finden kann. Ein Blick in die psychoanalytische Theorie ist hier einen Abstecher wert.

Die Fähigkeit, allein zu sein – die Notwendigkeit eines guten inneren Objektes

Gerade in Führungspositionen, die viel Mobilität erfordern und man berufsbedingt oft unterwegs ist, will die Fähigkeit, allein sein zu können, gelernt sein. Auch wenn der Zustand des Alleinseins, im Allgemeinen, oft mit Einsamkeit assoziiert ist, muss dieser eben nicht gezwungenermaßen als unangenehm erlebt werden. Häufig handelt es sich dabei auch um einen selbst gewählten Zustand, der durchaus auch als erholsam, wohltuend und fruchtbar erlebt werden kann. Auch in der Führungsetage gibt es Menschen, die gut allein sein können, ohne sich einsam zu fühlen. Eine Führungskraft, die allein ist, braucht möglicherweise eine Auszeit von den Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, um sich sammeln, in Ruhe nachdenken oder kreative Lösungen finden zu können. Sie verbinden mit dem Alleinsein etwas Positives, was sie durchaus genießen und als kostbares und in der Führungsetage durchaus sehr rares Gut schätzen können. Doch wie entwickelt sich die Fähigkeit, mit dem Alleinsein gut umgehen zu können?

In der psychoanalytischen Theorie stellt die Fähigkeit, allein sein zu können eine wichtige Entwicklungsleistung in der frühen Kindheit dar. Paradoxerweise entwickelt sich diese Fähigkeit nach Donald W. Winnicot (1958) zunächst in der Anwesenheit der Mutter. Demnach können Erwachsene nur dann allein sein, ohne sich dabei einsam zu fühlen, wenn sie auch als Kinder allein sein konnten, ohne dabei tatsächlich allein zu sein. In dem Wissen, dass jemand da ist, spielt das Kind also für sich und erwirbt so die Fähigkeit, gut allein sein zu können. Eine wichtige Voraussetzung, um auch in einer Führungsposition gut allein sein zu können, ist die adäquate mütterliche Fürsorge sowie die wiederholte Triebbefriedigung durch die Bezugspersonen in der frühen Kindheit. Diese guten Objekte können vom Kind verinnerlicht und in die eigene Persönlichkeit aufgenommen werden – gute innere Objektrepräsentanzen entstehen. Dadurch werden Verfolgungsängste gebannt und die Verfügung positiv getönter Projektionen ermöglicht. Das Kind entwickelt also ein Vertrauen in eine wohlwollende Umwelt, durch das es ihm gelingt, sich (zeitweilig) auch in Abwesenheit der äußeren Objekte sicher, zuversichtlich und zufrieden zu fühlen – es hat die Fähigkeit erlernt, allein sein zu können.

Einsamkeit – vom „zu Wenig“ zum „zu Viel“ an Interaktion

Wesentlich unangenehmer ist das Gefühl der Einsamkeit, welches nicht unbedingt das Gefühl des objektiven Mangels an Gesellschaft umfasst. Auch inmitten von Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzen können sich Führungskräfte demnach sehr einsam fühlen. Mit der Einsamkeit breitet sich ein negatives Gefühl aus, dass sie von innen aufzufressen droht. Dabei fühlen sich betroffene Führungskräfte häufig verlassen, isoliert und ausgegrenzt und haben das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein.

Auch die Psychoanalyse hat sich dem Gefühl der Einsamkeit gewidmet. Dabei können ein „Zu Viel“ oder ein „Zu Wenig“ an Fürsorge die Fähigkeit, allein sein zu können beeinträchtigen. Es resultieren Einsamkeitsgefühle, die oft nur schwer zu ertragen sind: „Schau mal hier“, „Möchtest du damit spielen?“, „Zeigst du mir das mal?“. Solchen oder ähnlichen Sätzen sind manche Kinder in ihrem Spiel oft ununterbrochen ausgesetzt. Die Eltern bedrängen ihr Kind, lenken es ab oder regen es dauernd zu neuen Aktivitäten an. Damit greifen Eltern zu häufig in das Spiel ihres Kindes ein und erwarten ständig eine Rückmeldung von ihm – ein Spiel, in dem sich das Kind in Anwesenheit der Eltern ungestört mit sich und seiner Umwelt auseinandersetzen kann, bleibt ihm verwehrt. Aber auch das andere Extrem, in dem das Kind starkem elterlichem Desinteresse ausgesetzt ist, ist problematisch. Häufig werden die Kinder dann – ihren Einsamkeitsgefühlen ausgeliefert – vor den Fernseher, den Laptop oder das Smartphone gesetzt und lernen so ihre Einsamkeit zu überspielen. Die äußeren Objekte sind also entweder zu nah, zu viel und zu aufdringlich oder emotional unerreichbar, distanziert und desinteressiert. Aber auch solche Beziehungserfahrungen werden vom Kind verinnerlicht und prägen maßgeblich wie es seine Umwelt wahrnimmt und mit ihr in Beziehung tritt. Die Fähigkeit, mit sich selbst zurecht zu kommen und dabei auf sich zu vertrauen, lernen die Kinder in beiden Fällen jedoch nicht. Diese frühen Beziehungserfahrungen prägen auch die Beziehung von Führungskräften zu sich sowie zu ihren Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern. Wer sich also als Führungskraft oft einsam fühlt, kennt dieses Gefühl meist schon ein Leben lang.

Psychoanalytisches Businesscoaching – kann es bei Einsamkeit helfen?

Wie eingangs bereits geschrieben besteht die Einsamkeit von Führungskräften oft darin, diejenigen zu sein, die die Entscheidungen zu treffen und zu verantworten haben. Umso wichtiger ist es, sich als Führungskraft Austauschmöglichkeiten abseits des Unternehmens zu schaffen, um Ängste, Zweifel, Unsicherheiten und Sorgen besprechen und mögliche Lösungswege erarbeiten zu können. Ein psychoanalytisches Businesscoaching ist eine Möglichkeit, um Führungskräfte in der Bewältigung von Einsamkeitsgefühlen zu unterstützen und weiteren negativen Konsequenzen vorzubeugen. In einem psychoanalytischen Businesscoaching geht es zunächst darum, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, in der persönliche Angelegenheiten besprochen und erlebbar gemacht werden können. Dies schafft eine erste Entlastung und mildert das Gefühl der Einsamkeit zunächst ab. Im weiteren Verlauf kann es dann auch darum gehen, Einsamkeitsgefühle wahrzunehmen und zu besprechen. Dies ist ein wichtiger, oft sehr schwerer Schritt, denn an der Spitze ist die Luft nicht nur dünn, sondern auch eisig. Dies macht es Führungspersonen schwer, sich tatsächlich zu öffnen und ihre Einsamkeitsgefühle nicht – wie im hektischen Alltag einer Führungskraft oft üblich – zu überspielen oder abzuwehren. Darüber hinaus werden in einem gemeinsamen Prozess, die individuellen Beziehungsdynamiken, die zu dem Gefühl der Einsamkeit führen exploriert, reflektiert und verstanden. Wenn sich diese Beziehungsdynamik auch im Coachingprozess widerspiegelt, können die Beziehungserfahrungen, die zur Einsamkeit führen, schließlich auch durch eine korrigierende emotionale Beziehungserfahrung mit dem psychoanalytischen Businesscoach bearbeitet und korrigiert werden.

 

Julia Perlinger, Coach bei DynaMind

Wenn Sie als Führungskraft Unterstützung in der aktuellen Krisensituation suchen wenden Sie sich gerne an uns. Wir coachen auch im Videokontakt und am Telefon.