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Psychoanalytisches Business Coaching

Burn Out – der Verlust der feinen Verbindung zu sich selbst

Stress ist eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems und bei chronischem Verlauf eine der gefährlichsten Krankheiten der westlichen Welt. Selbstausbeutung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Der Stress packt uns von hinten

Es könnte in diesem Artikel um Zahlen gehen und um Folgeerkrankungen von chronischem Stress, um den Unterschied zwischen Eustress und Distress oder die Burnout-Rate in Deutschland. Aber heute wird es um eine andere Perspektive gehen. Um eine ganz subjektive, innerliche Beschreibung von Konflikten und Themen, die an der Schwelle zu Stress stehen. Denn wer kennt das nicht: der Stress scheint uns von hinten zu packen, scheinbar ohnmächtig stehen wir gegenüber dem Leben und seinen Anforderungen dann da, wenn er kommt.

Am Anfang ist es noch schön. Motiviert, prickelnd inspiriert und ein neues Projekt. Heiß geredete Köpfe und neue Gedanken, das Gefühl von Weiterentwicklung und persönlichem Wachstum. Herausgefordert trauen wir uns, neu zu denken und grösser zu sein, als wir bisher waren. Und dann kommt früher oder später irgendwann der Moment, von dem ich hier heute sprechen will. Wir spüren, dass wir eigentlich nicht mehr können. Dass die Anstrengung anstrengend wurde und wir Anzeichen spüren, dass es nicht mehr gut ist für uns, nun weiter zu machen. Was genau an dieser Stelle passiert – das ist eine Forschungsreise wert.

Die Forschungsreise: Die Gelegenheit am Schopfe packen

Vorweg- es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Eine solche Forschungsreise wird immer eine ganz persönliche sein. Jede*r von uns weiß, dass Yoga, eine ausgewogene Ernährung und wenig Druck gesund sind, aber die wenigsten leben danach. Und die Antworten auf die Frage nach den Ursachen von Stress sind so vielschichtig, dass hier nur Ausschnitte davon beschrieben werden können.

Diejenigen von uns, die westlich sozialisiert wurden haben es meist sehr verinnerlich. Wir sind im allumfassenden Credo aufgewachsen, dass es im Leben um Expansion und, um Wachstum geht und häufig erleben wir Weiterentwicklung, Erfolg und einen Anstieg von Produktivität synchron mit einem Anstieg von Glück. Kurzgefasst – Gelegenheiten werden am Schopf gepackt. Und wie das Leben so spielt, gibt es davon mehr als ausreichend.

Das ist erstmal nichts Schlechtes, im Gegenteil sind erfolgreiche und glückliche Menschen häufig Menschen, die es verstehen, Gelegenheit zu nutzen. Und auch gegen Phasen intensiver Arbeit und Phasen von Hochdruck im Büro spricht überhaupt nichts. Aber was, wenn alleine die Vorstellung, eine Chance zu verpassen oder Möglichkeiten auszuschlagen uns ein unangenehmes Gefühl bereitet? Dürfen wir das? Wir können das Geld gut brauchen, sicher. Aber wenn wir ehrlich sind, wir nehmen die beruflichen Herausforderungen auch an, wenn wir finanziell schon gut versorgt sind. Für schlechtere Zeiten? Weil wir es als Anerkennung erleben, dass sie uns zugetraut werden? Weil wir uns beweisen müssen? Weil wir hilfsbereit sein wollen? Uns nicht trauen, nein zu sagen? Aus schlechtem Gewissen? Aus Angst vor Konsequenzen?

Abrutschen in den Burnout

Meist wissen wir nicht einmal so ganz genau warum. Aber einmal zugesagt, kommen wir dann da auch schlecht wieder raus. Wir geraten in Mühlen aus übersteigertem Verantwortungsgefühl und Aktionismus. Bei allen Menschen beginnt es dann unterschiedlich. Manchen fällt es schwer, einzuschlafen, andere bemerken eine innere Unruhe, eine Müdigkeit, vielleicht eine leichte Gereiztheit oder eine dünnere Haut in Konflikten. Wer solche Zustände schon längere Zeit übergangen hat, der kennt sicherlich auch die Symptome, die chronifizierten Stress ausmachen. Schlafstörungen, körperliche Erschöpfung und Infekte, der ganze Körper scheint entzündet, ein diffuses Gefühl der seelischen Entleerung und Aushöhlung beraubt einen der normalen affektiven Vitalität. Die Psyche hat dann eine Art von Stromsparmechanismus aktiviert, abgekapselt von unserer Außenwelt, in einem Zustand von Entfremdung schützen wir unsere überlebenswichtigen Ressourcen. So extrem das klingt – ein Burn Out Zustand kann auf diese Weise gut beschrieben werden und diejenigen, die einen solchen Zustand schon erlebt haben, die wissen wie lange es braucht, um sich von ihm wirklich zu erholen.

Die Forschungsreise: Suche nach Ursachen

Wie aber kann es sein, dass sich Menschen in Zustände wie diese gebracht haben? Warum halten sie nicht inne? Warum gehen sie nicht früher zu Bett und warum vernachlässigen sie in so gravierendem Ausmaß ihre Selbstfürsorge? Viele Thesen sind an dieser Stelle denkbar. Finanzielle Angewiesenheit auf prekär bezahlte Jobs sei einmal vorweg gestellt, aber das ist bei weitem nicht der einzige Grund den Menschen im Burnout Zustand beschreiben. Viele weiteren Gründe können innerseelisch verortet werden.

Arbeit ist keine Droge, aber in gewisser Weise kann ebenso eine Arbeitssucht entwickelt werden wie eine Alkoholsucht. Arbeit ist an dieser Stelle immer mehr als einfach nur ein spannendes Projekt oder eine finanzielle Absicherung. Sie kann eine Stärkung eines labilen Selbstwerts bedeuten, eine Vermeidung von offenen sozialen Situationen, eine Flucht vor Einsamkeit und Leere oder eine Ablenkung von Ängsten. Wenn man ständig arbeitet, weiß man zumindest, was zu tun ist, wer man ist und wer man zu sein hat. Man trifft Kolleg*innen im strukturierten Bürosetting und wenn es gut läuft erlebt man durch kleine berufliche Erfolge eine Bestätigung seiner Wirksamkeit und Fähigkeit. Nein zu sagen würde nur eines auslösen: Angst. Zum Beispiel die Angst davor, andere zurückzuweisen oder häufig auch die Angst zu versagen. Menschen im Burnout, die sich und ihr Selbstbild etwas genauer unter die Lupe nehmen, werden an Stellen wie diesen sicher fündig. Worauf ich hinaus will ist, dass eine berufliche Selbst-Überforderung fast immer mit einer (allerdings manchmal unbewussten) erhöhten Bedürftigkeit einhergeht. Auch häufig gehemmte, aber massive Aggressionen spielen eine wichtige Rolle, sowie ein labiler Selbstwert.

Eine Verabredung mit sich selbst

Wenn Arbeiten (oder andere Projekte) langfristig vor allem Stress und Anspannung bedeutet, dann läuft etwas schief. Dann ist es an der Zeit für eine Selbsterkundung. Zusammenhänge müssen verstanden werden: Wen versuche ich glücklich zu machen, wenn ich mich so sehr anstrenge? Was treibt mich an und was hält mich zurück? Auf wen bin ich wütend und was hindert mich daran, für mich zu sorgen?
Deutlich wird: der erste Schritt ist der, Verantwortung zu übernehmen. Wer darin verharrt, sich als Opfer der Umstände zu erleben, klagend und jammernd ungünstige Zustände und Stressoren immer weiterlaufen lässt, der wird keinen Weg aus der Erschöpfung finden. Nochmals an dieser Stelle – wir wissen um die gravierenden Folgen schlechter Arbeitsbedingungen und eines angespannten Teamklimas. Aber Burnout hat immer auch etwas mit den eigenen emotionalen Lücken und unserem Umgang mit Aggressionen zu tun. Sich einzugestehen, dass ich dazu beigetragen habe, aus Angst, aus Anspannung, aus Wut, was auch immer, das ist der erste Schritt. Erst mit einer feineren Verbindung zu sich selbst können viele Menschen, die einmal im Burnout gelandet sind überhaupt erst verstehen, dass sie sich weit von sich selbst entfernt haben. Sie erleben ein Coaching oder eine Therapie wie eine Annäherung an sich selbst, sie bekommen wieder eine Ahnung von Bedürfnissen und körperlichen und psychischen Grenzen. Sie lernen innere Antreiber zu identifizieren und Grenzen zu verwörtern und erst ein solcher Prozess kann eine reale Erholung in Gang setzen.  Ziel muss es sein, mit Freude zu arbeiten und Erfolge aber auch Momente der Ruhe genießen zu können. Solange keine solche persönlichkeitsimmanente Veränderung erfolgt und Erholung noch mit Schuldgefühlen einhergeht, solange macht auch mehr Yoga keinen Sinn.

 

A. Wurst, Dipl. Psych. 

Wenn Stress und Erschöpfung in ihrem Leben eine zunehmend größere Rolle spielen, empfehlen wir ein Personal Coaching. Wir forschen und beraten seit vielen Jahren zum Thema Burnoutprävention, bei Interesse wenden Sie sich gern an uns.