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Psychoanalytisches Business Coaching

Change Coaching: Keine Angst vor Gefühlen im Unternehmen!

Aus guten Vorsätzen wird nur mit Mühe Wirklichkeit und Change Prozesse aller Art in Unternehmen gestalten sich häufig als schwierig. Warum eigentlich? Die Autorin und Coachin vom Mind Institut möchte sich dieser Frage aus psychodynamischer Sicht annähern.

Was Veränderungen so alles auslösen

Also sicherlich lässt sich erst einmal festhalten, dass Veränderungen Gefühle auslösen. Und auch wenn in den meisten Unternehmen wenig bis gar nicht über Gefühle gesprochen wird, so wissen die meisten Menschen, dass uns Gefühle manchmal ganz schön mitnehmen können. In unserem Alltag werden sie von den meisten eher als so etwas wie eine Begleiterscheinung genommen. So in etwa wie Müdigkeit oder eine allergische Reaktion. Sie gehören, so wie die meisten Dinge die sich in unserem Körper abspielen, in den Bereich des Intimen, des Privaten. Und dennoch lösen die meisten Veränderungen und damit auch Change Prozesse in Unternehmen Gefühle aus, manchmal Freude, zum Beispiel über neue Möglichkeiten, manchmal Angst, manchmal auch Gefühle von Ohnmacht oder Ärger über Entscheidungen die man so nicht getroffen hätte.

Was nun, wenn diese Reaktionen aber in einem Unternehmensklima auftauchen, in dem Emotionen, insbesondere schwierige Emotionen, nicht kommunizierbar sind? Was nicht kommuniziert ist, das darf in gewisser Weise auch nicht sein. Wohin dann aber mit den Gefühlen?

Über Gefühle wird hier nicht gesprochen

Die Möglichkeiten Gefühle abzuwehren und zu verdrängen ist etwas, das Freud schon 1900 begonnen hat zu untersuchen und das sich bis heute höchster Aktualität erfreut. Er sagt, wir alle haben in unserer Kindheit gelernt, bestimmte Bedürfnisse und Affekte beiseite zu schieben. Kinder sind immer auf andere angewiesen, die Liebe und Anerkennung ihrer Eltern ist existentiell. Je nachdem, in welcher Familie wir groß geworden sind, waren bestimmte Bedürfnisse von uns mehr und andere weniger akzeptiert. Und so haben wir alle früh gelernt, unerwünschte Bedürfnisse und Gefühle abzuwehren, was so viel heißt, wie sie ins Unbewusste zu schieben und sie damit nicht mehr als störend wahrzunehmen. Sicherlich hat hier jeder seine eigenen Strategien gefunden und diese gesammelten Strategien sind bis heute, als Erwachsene, unsere Art durch die Welt zu gehen. Unsere Abwehr prägt unsere Art zu erleben, andere Menschen wahrzunehmen und unser Begehren. Bestimmte Themen fallen uns leicht, andere sind schwerer, weil uns hier unsere verdrängten und abgewehrten Bedürfnisse im Wege stehen. Zu diesem Thema gäbe es noch viel zu schreiben, aber ich will beim Thema der Veränderungen bleiben.

Veränderungen bei Einzelnen – Manche Ängste sitzen tief.

Nehmen wir dazu ein Beispiel aus der Coaching Praxis. In meine Praxis kam die Mitarbeiterin eines mittelständischen Unternehmens, die vor einer Weile erfahren hatte, dass sie befördert werden würde, worauf sie lange hingearbeitet hatte. So löste die Beförderung bei ihr auch im ersten Moment vor allem Freude und Stolz aus. Gleichzeitig aber nahm meine Klientin auch noch ein eher dumpfes unangenehmes Gefühl wahr, ein Gefühl das sie nicht verstand und das sie unruhig werden ließ. Für sich fragte sie sich, was, wenn ich dann die Zuneigung meiner Kollegen verliere? Was wenn sie neidisch sind und mich ablehnen? Was wenn ich versage? Habe ich das verdient? Darf ich die anderen beruflich überholen? Diese und andere Fragen schwelten mehr unter der Oberfläche als dass sie ihr wirklich bewusst waren. Sie arbeitete in einem Unternehmen arbeitete, in dem Ambivalenzen und Ängste wenig akzeptiert waren und in dem die MitarbeiterInnen einem enormen Progressions- und Effizienzdruck ausgesetzt waren. Da gestand sie sich und anderen nicht ein, dass sie sich vor der Veränderung fürchtete.

In den Wochen nach der Beförderung bemerkte sie eine Veränderung an sich. Die sonst selbstbewusste Frau erlebte sich selbst irgendwie gekünstelt, unsicher, auf irritierende Weise angepasst. Und sie machte Fehler die sie sonst nicht gemacht hätte.

Um die Situation nun psychodynamisch zu verstehen ist es nötig, kurz etwas zum biographischen Hintergrund der Klientin zu sagen. Als viertes Kind strenger Eltern stand sie meist im Schatten ihrer Geschwister. Von den Eltern hat sie wenig Zuwendung erfahren, auch wenn sie als das jüngste der Geschwister noch an manchen Stellen bevorzugt wurde, sehr zum Neid der anderen. Eine Beförderung nun löste dieselben Themen und Ängste wie in ihrer Kindheit aus, einerseits Freude über eine „bevorzugte“ Behandlung, andererseits Ängste, die Zuneigung und Zugehörigkeit zu den Geschwistern, heute also den Kollegen, zu verlieren. Ihre Unsicherheit und Angepasstheit und auch ihre zunehmenden Fehlleistungen in der Arbeit konnten insofern psychodynamisch als Versuche verstanden werden, die Liebe der Geschwister zu erhalten. Im psychodynamischen denken nennt man das „Sie agiert ihre Ängste“.

Fühlen statt agieren

Was aber wäre die Alternative gewesen? Sie liegt auf der Hand, aber sie ist schwerer als sie sich anhört. Es ist die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und innerlich zu halten statt sie zu agieren. Wer Gefühle in sich erleben und halten kann, der hat einen größeren Radius an Handlungsmöglichkeiten. Der kann überprüfen, ob die Ängste überhaupt berechtigt waren. Und wenn es dann noch immer Schwierigkeiten und offene Fragen gibt, dann können diese kommuniziert und geklärt werden.

Im psychoanalytischen Verständnis sind Gefühle Hinweise. Sie weisen uns auf Bedürfnisse hin und auf unbewusste Themen. Wer die Fähigkeit hat, Gefühle nicht zu agieren, der ist frei zu entscheiden, an welcher Stelle sie ein wirklich relevanter Hinweis auf Situationen sind, die besprochen und geklärt werden müssen und an welcher Stelle es sich vielleicht mehr um frühe, tiefer sitzende Ängste handelt die in der aktuellen Situation vielleicht gar nicht mehr real sind.

So war es meiner Klientin im Coaching einerseits möglich sich von biographischen Ängsten zu lösen und tiefer zu verstehen, dass sie sich sicherlich einen guten Kontakt zu ihrem Team wünscht, aber dass sie auf die bedingungslose Akzeptanz des Teams nicht mehr so angewiesen war wie in der Kindheit zu ihren Geschwistern. Da aber jedes Gefühl, auch wenn es biographische Themen berührt auch eine Relevanz für die Gegenwart hat, so wurde es ihr möglich die starke Rivalität im Team zu reflektieren und als neue Führungskraft diese aufzufangen und zu handeln.

Change Prozesse betreffen alle

Wer also in Unternehmen Change Prozesse in Gang setzt, vor allem wenn diese alle oder viele Mitarbeiter betrifft, der kommt nicht umhin, dass das System des Unternehmens in eine Art des emotionalen Aufruhrs gerät. Mitarbeiter reagieren unterschiedlich, aber sie reagieren. So unterschiedlich sie sind, sie hatten sich bisher zu einem mehr oder weniger funktionierenden System entwickelt. Jedes Unternehmensklima ist durch seine Mitarbeiter, aber auch durch die Führung des Unternehmens geprägt und so haben sich Teams eine ganz eigene Art der Abwehr entwickelt, wie mit Ängsten im Team umgegangen wird. Change Prozesse scheinen an diesen eingespielten Routinen zu rütteln, Ängste werden stärker und damit auch die Versuche aller Beteiligten, sie zu bewältigen.

Nur wer in der Lage ist, diese Ängste auf reale Bedürfnisse zu zurückführen, sie zu verstehen und zu integrieren, der wird langfristig stabile Veränderungen im Unternehmen umsetzen können. Dafür braucht es eine offene und nicht wertende Unternehmenskultur, in der Gefühle kommunizierbar sind und nicht als Schwäche wahrgenommen werden.

Dipl. Psych. Andrea Wurst

 

 

Wer sich ausführlicher mit gelungenen Change Prozessen im Unternehmen beschäftigen möchte, dem empfehlen wir unser Trainingsprogramm „Change“ oder kommen Sie zum dynaMIND-Einzelcoaching.
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