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Psychoanalytisches Business Coaching

Das Leid mit dem Neid – Zum Umgang mit Neidgefühlen in Unternehmen

Neidgefühle und Konkurrenz unter Kollegen sind in den meisten Firmen Themen, die eher unterschwellig mitlaufen. Sie können aber berufliche Beziehungen sehr belasten und die Stimmung im Team stark beeinflussen.

Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl, dass sie einen Kollegen oder eine Kollegin darum beneiden, wenn er oder sie gerade befördert wurde, ein neues Projekt anleiten darf oder mehr Gehalt bekommen hat. Sie stellen sich vor, wie stolz und großartig sich der andere dabei fühlen muss. Fast automatisch setzt dabei ein Vergleich ihrer Person mit diesem Kollegen ein, der etwas zu bieten hat, was Sie als erstrebenswert erachten, darüber selbst jedoch nicht verfügen. Dieser Unterschied und der damit verbundene Vergleich ist gleichzeitig auch mit einem Gefühl des Mangels verbunden, welcher – gepaart mit Ärger, Wut und Traurigkeit – Neid entstehen lässt. Die Erfahrung lehrt uns, dass diese Unterschiede in Unternehmen auch weitreichende Konsequenzen haben, da sie unser Gehalt, unsere Karriere und unseren Selbstwert beeinflussen. Nicht umsonst sind die Beziehungen zu Kollegen stets heikel und werden ganz besonders auf Bevorzugung und Benachteiligung durch den Vorgesetzten hin beobachtet.

Zwischen Vernichtung und Anstrengung

Der Neid wird meist mit einem Neider assoziiert, der dem Beneideten nichts gönnt, ihm seinen Besitz wegnehmen, vermiesen oder gar zunichtemachen möchte. Dabei handelt es sich um die destruktive, böse und unberechenbare Form des Neides, die nicht umsonst zu den sieben Totsünden zählt und sozial geächtet wird. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass einzelne Teammitglieder kaum darüber sprechen können und wollen. Die genannte destruktive, gefürchtete und sozial nicht akzeptierte Potenz des Neides macht auch verständlich, warum dieses Gefühl zumeist hinter verschiedenen Verhaltensweisen – wie Mobbing, schnippischen Anmerkungen, Entwertung, Unzufriedenheit, Spott, Ressentiments oder Gereiztheit – verborgen ist.

Es gibt jedoch auch die gutartige, ehrgeizig-stimulierende Form des Neides, bei der man das, was der Teamkollege ist, hat oder kann, auch haben will. Dabei geht es jedoch nicht, wie bei der destruktiven Form, um das Wegnehmen oder Missgönnen, sondern um das Auch-haben-wollen. Diese Form des Neides kann dazu beitragen, dass sich Teammitglieder selbst reflektieren, ihre Fähigkeiten neu einschätzen und sich vermehrt anstrengen, um dem Objekt der Begierde, wie zum Beispiel der Beförderung, näher zu kommen.

Eine psychoanalytische Perspektive auf den Neid

Um die Neidreaktion zwischen Kollegen besser zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick auf die Psychodynamik zu werfen. Aus psychoanalytischer Perspektive gibt es eine Vielzahl an Erklärungsansätzen für Neidkonflikte zwischen Arbeitskollegen, die jeweils auf die Kindheit der Beteiligten zurückgeführt werden können. Als ein Erklärungsansatz dient dabei unter anderem die Rivalität unter Geschwistern, die mit der Bedrohung der Position des Kindes in den Augen der Eltern und der damit verbundenen Stellung im Mittelpunkt deren Aufmerksamkeit einhergeht. Für das Kind gibt es dann die Möglichkeit, sich mit dem beneideten Geschwister zu identifizieren, in dem es versucht, genauso frech, brav, fleißig, hilfsbereit, kreativ, interessiert ect. zu sein, wie sein Geschwister. Gelingt ihm dies jedoch nicht, entwickelt es vermehrt Eigenschaften und Fähigkeiten, mit denen es nicht mit dem Geschwister konkurrieren muss, sondern in seiner Individualität wahrgenommen werden kann. Betrachtet man diese Neidreaktionen unter Geschwistern etwas genauer, stellt man fest, dass sich dahinter zumeist der tiefe Wunsch verbirgt, von den Eltern wahrgenommen und geliebt zu werden. Dieses Phänomen ist auch im Arbeitsalltag allgegenwärtig. So sieht man es immer wieder, dass sich zwei direkte Kollegen unterschiedliche Arbeitsfelder suchen oder sich auf einen bestimmten Themenbereich spezialisieren, um nicht im gleichen Feld um die Anerkennung des Vorgesetzten konkurrieren zu müssen. Ebenso wie sich das Neidempfinden unter Geschwistern verschärft, wenn eines von Ihnen von den Eltern bevorzugt wird, kann sich auch die Situation unter Kollegen verschärfen, wenn einer von Ihnen dem Vorgesetzten nähersteht oder von diesem bevorzugt behandelt wird. Doch was kann man als Mitarbeiter oder Führungskraft tun, damit der destruktive Neid im Unternehmen nicht überhandnimmt?

Tipps für Mitarbeiter: Destruktiven in konstruktiven Neid verwandeln

Je nach der Art der Arbeitsstrukturen, der eigenen Persönlichkeitszüge und der Stärke des eigenen Selbstbewusstseins sowie der Art der Beziehung zum Vorgesetzten, fällt die Neidreaktion im organisationalen Kontext sehr unterschiedlich aus. Diese kann entweder kaum spürbar sein, sich in einem nagenden, durchaus intensiven Schmerz äußern oder sich sogar in einem plötzlich einsetzenden heftigen Stich bemerkbar machen.

Um dem eigenen Neid auf die Schliche zu kommen, ist es zunächst wichtig, sein Verhalten in Bezug zu seinen Kollegen und Vorgesetzten in Frage zu stellen und zu prüfen, ob sich dahinter ein Neidgefühl verbergen könnte. Auch wenn es nicht immer Sinn macht, den Kollegen und Vorgesetzten den eigenen Neid mitzuteilen, sollten Sie dieses Gefühl nicht von sich weisen. Besser ist es, wenn es gelingt, seine eigenen Neidgefühle zu erkennen, zu hinterfragen und zu verstehen. Dabei kann es im Rahmen eines psychoanalytischen Businesscoachings hilfreich sein, sich auf die produktive Seite des Neides zu fokussieren und sich zu fragen, was das Neidgefühl über einen selbst aussagt, mit wem man sich vergleicht und welche Motive, die einem selbst am Herzen liegen, dahinterstecken könnten. Auch die Frage, ob man seine Zufriedenheit mit anderen Eigenschaften und Fähigkeiten erlangen und eine andere Perspektive in Bezug zu der beneideten Person einnehmen kann, kann dabei hilfreich sein. Liegt ein Kollege beispielsweise in der Projektarbeit weit vorne, kann man sich fragen, was dies erfordert, welche Opfer der Kollege dafür ggf. bringen muss und ob man das wirklich auch will.

Tipps für Führungskräfte: Soziale Gerechtigkeit und Einbezug der Mitarbeiter

Denken wir an unsere Kindheit und unsere destruktiven Neidempfindungen den eigenen Geschwistern gegenüber zurück, fallen uns doch besonders jene Situationen ein, in denen wir uns von unseren Eltern ungleich behandelt, nicht gesehen oder ausgegrenzt gefühlt haben. Wurden wir hingegen für unsere Individualität wertgeschätzt und in das Geschehen miteinbezogen, konnte dieses negative Gefühl abgemildert oder gar in positive Neidreaktionen umgewandelt werden. Diese Dynamiken lassen sich auch im Unternehmenskontext wiederfinden. So hat sich auch in Bezug auf den Umgang von Führungskräften mit ihrer Belegschaft gezeigt, dass soziale Ungerechtigkeit und Ausgrenzung zu destruktivem Neidempfindungen zwischen den Kollegen führen. Ein sozial einschließendes Verhalten hingegen zieht auch unter Kollegen produktiven, bewundernden Neid nach sich. Demnach sind Führungskräfte gut damit beraten ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Ihrer Individualität wertzuschätzen, sie in das Geschehen miteinzubeziehen, sie zu beteiligen und aktiv einzubinden. So kann es gelingen, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das Gefühl zu geben, ein wichtiger, akzeptierter Teil des Unternehmens und des Teams zu sein. Um die negativen Konsequenzen sozialer Vergleiche in der Belegschaft einzugrenzen und die positiven Potentiale des Neides zu fördern, sollten Unternehmen gezielt beim Verhalten und Problembewusstsein Ihrer Führungskräfte ansetzen. Ein psychoanalytisches Businesscoaching kann dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

 

Julia Perlinger, Coach bei DynaMind

Wenn Sie als Führungskraft Unterstützung in der aktuellen Krisensituation suchen wenden Sie sich gerne an uns. Wir coachen auch im Videokontakt und am Telefon.