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Psychoanalytisches Business Coaching

Frauen und Macht- Fallstricke auf dem Weg nach oben

Obwohl Frauen heutzutage ebenso gut ausgebildet und hochqualifiziert sind wie Männer, sind sie in deutschen Unternehmen nach wie vor unterrepräsentiert. Im europäischen Vergleich liegt der Anteil an Frauen in Führungspositionen mit rund 31 % sogar noch unter dem europäischen Durchschnitt. Es gibt vielfältige gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen sowie individuelle Gründe, dass Frauen in höheren Karriereebenen seltener mitmischen. Über gendertypische Sozialisation und Erziehung, stereotype Männer- und Frauenbilder und strukturelle Bedingungen ist schon viel geschrieben worden. Daher soll es in diesem Artikel mehr um einige inneren Barrieren gehen, die in Frauen auftauchen können, wenn der nächste Karriereschritt bevorsteht.

Welche innerpsychischen Einflussfaktoren oder Fallstricke können eine Rolle dabei spielen, dass selbst karrrierebewusste Frauen seltener in höheren Karriereebenen mitmischen als Männer?  Und was hat das mit der persönlichen Biographie zu tun? Wie bilden sich solche inneren Barrieren ab und wie werden Muster weitergegeben? Warum ist es so schwierig, sich von den überholten Vorstellungen der Eltern zu lösen und warum tritt ein Mädchen vielleicht in dieselben emotionalen und konkreten Fallen wie ihre Mutter?

Die Wahrnehmung von Erfolg

Zunächst möchte ich Sie zu einer kleinen Übung einladen: Nehmen Sie sich mal einen Augenblick Zeit und schließen Sie kurz ihre Augen. Stellen Sie sich nun Ihr Team oder Unternehmen vor und überlegen sich, wer der oder die Erfolgreichste ist, wer danach kommt und so weiter, bis eine Rangfolge entsteht. Diese kleine Übung zielt zunächst auf die Unterschiede in Bezug auf den Erfolg und den damit einhergehenden Status und das höhere Gehalt zwischen den einzelnen Kolleginnen ab, die sich durch die Rangordnung ergibt. So stellt sich die Frage, wie es Ihnen bei dieser Übung ging. Was haben Sie bei dieser kleinen Übung gedacht und welche Gefühle tauchen dabei in Ihnen auf?

Im Folgenden wollen wir auf einige Fallstricke hinweisen, über die bereit Heidi Möller (2005) geschrieben hat und die Ihnen möglicherweise selbst auf Ihrem Weg in eine Führungsposition begegnet sind. Einige Aspekte davon wollen wir als Denkanregung aufgreifen. Dabei ist uns bewusst, dass hinter all diesen Barrieren und Unterschieden eine Jahrhundertelange Sozialisation steht, die tief verinnerlichte, meist unbewusste Überzeugungen und Erwartungen an Frauen – genauso wie an Männer – stellt. Vor dem Wissen, dass eine solche auch zur Festigung von Konzepten und Rollenklischees beitragen kann, wollen wir hier noch einmal darauf hinweisen, dass die beschriebenen Prozesse und inneren Dynamiken natürlich individuell sehr verschieden sein können, hier jedoch überspitzt und ein wenig verallgemeinernd dargestellt sind, damit sie greifbarer und anschaulicher werden.

Erfolg und Zweifel

Nun zurück zu der Übung. Obwohl Frauen eigentlich wissen, dass ihnen der nächste Karriereschritt zusteht und sie diesen sicherlich auch gut ausfüllen könnten – an Führungskompetenzen mangelt es hier sicherlich nicht – tauchen bei Frauen häufiger Zweifel auf. Beispielsweise äußerte eine Klientin nach dieser Übung, dass sie dabei ein mulmiges Gefühl hatte, sich in Bezug zum Erfolg mit den anderen zu vergleichen. Es können aber auch Gedanken auftauchen, ob es denn okay ist, wenn man mehr verdient als die anderen, die ja auch einen super Job machen oder auch die Angst, am Ende allein dazustehen. Wie bereits erwähnt wird durch die Rangordnung die Unterschiede zwischen den KollegInnen im eigenen Team in Bezug zu Ihrem Erfolg deutlich. Frau Huber ist vielleicht erfolgreicher als Herr Schmidt und dieser ist wiederum erfolgreicher als Frau Weber usw. Diese (Erfolgs-)Unterschiede auszuhalten, kann für Frauen schwieriger sein als für Männer. Während Männer die Konkurrenz und das damit verbundene Sich-ins-Verhältnis-Setzen eher suchen – und dies ja auch schon von klein an gelernt und am Schulhof praktiziert haben – geraten Frauen dabei eher in einen inneren Konflikt. Hier stellt sich die Frage, warum ist das so, dass Männer und Frauen bei dieser Übung so unterschiedlich reagieren? Doch dazu später…

Weibliche Aggression und Macht

Um erfolgreich zu sein und die Karriereleiter nach oben steigen zu können, braucht es nicht nur ein gutes Gefühl damit, sich von den anderen zu unterscheiden und erfolgreicher sein zu können und zu wollen, sondern auch eine gute Portion Aggression. Aggression meint dabei nicht, jemandem Schaden zufügen oder zerstören zu wollen, sondern „auf jemanden zugehen, etwas beginnen, unternehmen oder versuchen“ – das entspricht der Bedeutung des lateinischen Verbs „aggredi“. Während die erste, heftigere Definition unter Männern leichter angenommen wird, macht es die zweite Auffassung von Aggression Frauen oft leichter, sich ihrer Aggression bewusst zu werden, diese als zu sich zugehörig wahrzunehmen und in ihrem Sinne konstruktiv zu nutzen. Die Fantasie, dass man sich bei aggressivem Verhalten wie die römischen Gladiatoren verhält, in einen man sich gegenseitig bekämpft und dabei vernichtet, ist dabei nach wie vor überwertig. Die Idee, dass man miteinander kämpfen, sich dabei durchsetzen und danach gemeinsam die Arena verlassen kann, besteht oft nicht. Leider ist die offen ausgetragene Aggression von Frauen nach wie vor sozial wenig akzeptiert, sodass Frauen Aggressionsäußerungen oder das Bedürfnis nach Selbstbehauptung immer noch häufiger als schuldhaft erleben als Männer. Aggression ist jedoch unabdingbar, wenn man das Leben und damit ja auch die eigene Karriere entsprechend den eigenen Bedürfnissen gestalten will.

Konkurrenz und Rivalitäten

Zudem wird es von Frauen oft als schwieriger erlebt, sich abzuheben oder den anderen gar überlegen zu sein. Natürlich konkurrieren Frauen auch, aber eben meist subtiler und indirekter. Männer haben es da eher leichter und können offener miteinander konkurrieren. Das kann unter anderem auch daran liegen, dass Frauen mit Konkurrenz oft auch negative Assoziationen verbinden. Dabei belebt Konkurrenz, wie allseits bekannt, nicht nur das Geschäft, sondern kann auch richtig Spaß machen. Konkurrenz wird von Frauen jedoch oft mit Rivalität verwechselt. Während Konkurrenz bedeutet, dass man gemeinsam um die Wette läuft und schaut, wer schneller am Ziel ist, beschreibt Rivalität die destruktive Form, die mit der Herabsetzung, Verhöhnung oder gar Zerstörung des anderen verbunden ist. Frauen verbinden mit Konkurrenz also eher mit dem sogenannten „Krabbenphänomen“. Dabei wird Konkurrenz unter Frauen mit einem Korb voller Krabben verglichen. Sobald eine es schafft, die Wand des Korbes hochzuklettern, wird sie von den anderen Krabben als Leiter genutzt, was dazu führt, dass am Ende alle unter der Last in den Korb zurückfallen. Diese Verwechslung und die damit verbundenen negativen Assoziationen hindern Frauen oft daran, in Konkurrenz mit anderen zu gehen und sich zu behaupten.

Erfolg und Neid

Doch hier kann der Neid eine Rolle spielen und zum Fallstrick auf der Karriereleiter werden. Sobald eine bessere Stelle oder ein höheres Gehalt in Aussicht stehen, befürchten Frauen eher, den Neid der anderen auf sich zu ziehen. Dabei wird Neid immer durch das hervorgerufen, was man nicht hat und nicht besitzt. Man vergleicht sich also mit dem oder der anderen und stellt fest, dass dieser erfolgreicher, besserverdienend, kreativer, intelligenter, charismatischer, fleißiger usw. ist – man ist dabei also mit dem eigenen Mangel und den damit verbundenen Minderwertigkeitsgefühlen konfrontiert. Doch auch Neid kann – clever genutzt – ein hilfreicher Motivator sein. Anstatt sich – wie die Krabben im Korb – gegenseitig herunterzuziehen, kann diese innere Spannung auch als Motivator dafür genutzt werden, eben das, was der oder die andere hat, auch zu erreichen oder zu bekommen.

Die Angst vor Beschämung

Oben angekommen und mit viel Lob oder Erfolg versehen, kann bei Frauen auch das Gefühl von Scham auftauchen. Häufig steckt hier ein verinnerlichtes Selbstbild von Bescheidenheit dahinter, das mit dem Erfolg nicht vereinbart werden kann. Um diese innere Spannung abzubauen, können Frauen dazu neigen, den eigenen Erfolg zu relativieren oder gar den Erfolg anderen Personen zuzuschreiben. In diesen Fällen hört man beispielweise Aussagen wie „ich habe ja nur Glück gehabt“ oder „ich habe mir das nicht selbst zuzuschreiben. Allein hätte ich das nicht geschafft.“. Ein einfaches „danke, ich freue mich auch“ hört man seltener von Frauen, für die sich Erfolg und Lob stimmig anfühlt.

Ödipus und was er mit Frauen und Macht zu tun hat.

Nachdem wir einige Fallstricke dargestellt haben, wollen wir uns im Folgenden den Prozess genauer ansehen, wie eine solche Sozialisation verinnerlicht wird, wie sie weitergegeben wird und wann und warum es so schwer ist, sich von Erwartungen und Bewertungen abzulösen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Art und Weise wie wir unsere Eltern verinnerlicht haben und wie unabhängig wir von diesen verinnerlichten Eltern sind. Dabei geht es weniger um deren Meinungen und kognitiven Überzeugungen. Auch nicht so um die ausgesprochenen Worte. Wenn es nur das wäre, dann würden unsere Ängste und Überzeugungen nicht so tief sitzen. Es geht vielmehr um seelische Prozesse, die auf einer unbewussten Ebene stattfinden – also mit einem seelischen Klima und einer seelischen Freiheit bzw. Erlaubnis zu tun haben – und unser Verhalten sowie unsere Entscheidungen beeinflussen.

Schauen wir uns die individuelle Entwicklung der Tochter und deren frühen Interaktionen mit ihren Eltern an. Hierbei ist anzumerken, dass die Psychodynamik sowie die Ausgangsbedingungen natürlich individuell sehr unterschiedlich sind. Da die ödipale Situation in der Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle spielt, soll diese aufgegriffen und anhand eines möglichen Verlaufes beispielhaft dargestellt werden:

Zunächst ist das Mädchen in ihren frühen Lebensjahren – ebenso wie der Junge – mit seiner Mutter als primäre Bezugsperson konfrontiert. Während sich der Junge von der Mutter lösen und sich mit dem Vater identifizieren muss, um ein Mann zu werden, darf sich das Mädchen – welches der Mutter ähnlicher ist – nicht völlig von der Mutter entfernen. Dennoch ist die Loslösung von der Mutter und eine gelungene ödipale Situation eine bedeutsame Entwicklungsaufgabe, die das Mädchen lösen muss, um eine eigene, weibliche Identität entwickeln zu können. Gerade in Führungspositionen kann die Aneignung von männlich und weiblich konnotierten Eigenschaften – sich beispielsweise Mitarbeitern gegenüber unterstützend zu zeigen, aber eben auch kompetitiv und durchsetzungsstark zu sein – von Vorteil sein. Indem sich das Mädchen aus der dyadischen Beziehung zur Mutter lösen und sich wechselseitig mit dem Vater, welcher auch in der Mutter repräsentiert sein kann, identifiziert, kann es sich diese Eigenschaften zu eigen machen. Gleichzeitig erwirbt sie durch die Loslösung von der Mutter und der Hinwendung zum Vater die Fähigkeiten, sich neugierig einem Dritten zuzuwenden, sich zu behaupten, unterschiedliche Paarkonstellationen sowie variierende Bezüge wahrzunehmen und damit auch unterschiedliche Perspektiven einnehmen und eine kritische Distanz zu sich selbst einnehmen zu können. Auch diese Eigenschaften können in einer Führungsposition von Vorteil sein.

Eine gelungene Triangulierung würde also bedeuten, sich zwischen Vater und Mutter frei bewegen zu können und sowohl weiblich als auch männlich konnotierte Eigenschaften ohne Scham als zu sich gehörig wahrnehmen und erleben zu können. Um diese Entwicklungsaufgabe meistern zu können braucht die Tochter demnach eine vollständige, reife Triade aus Vater, Mutter und Kind, die als ganze, voneinander getrennte Objekte wahrgenommen werden, unterschiedliche Beziehungen untereinander pflegen, unterschiedliche Rollen einnehmen und affektiv überwiegend positiv besetzt sind.

Für die spätere berufliche Karriere hieße das, dass es so erst möglich ist, mit seinen KollegInnen zu konkurrieren und durchsetzungsfähig zu sein, ohne die Liebe der Mutter zu verlieren. Gleichzeitig kann das Mädchen weich und sozial sein, ohne den Verlust des Vaters fürchten zu müssen. Ganz knapp verkürzt ist es also die Frage, ob das Mädchen in der Lage war, erwachsen zu werden, sich von den Vorstellungen und impliziten und expliziten Erwartungen der Eltern lösen und eine eigene Identität entwickeln zu können. Psychoanalytisches Business Coaching kann dabei helfen, diese Fallstricke in der eigenen beruflichen Entwicklung vor dem Hintergrund der eigenen Beziehungserfahrungen und Sozialisationsbedingungen besser zu verstehen und zu bearbeiten. So kann es gelingen die berufliche Welt der Konkurrenz, der Macht und des Erfolges als etwas Lustvolles zu erleben und den bevorstehenden Karriereschritt souverän zu meistern.

 

 

Literatur:

Körmendy, K. C. (2014). Weibliche Identität und Macht. Einige psychoanalytische Perspektiven zu Frauen in Führungspositionen. Psychoanalyse im Widerspruch, 51, 9-25.

Möller, H. (2005) Stolpersteine weiblicher Karrieren. Was Frauen hindert, erfolgreich zu sein. Organisationberatung Supervision Coaching. 12(4), 333-343. doi.: 10.1007/s11613-005-0120-8