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Psychoanalytisches Business Coaching

Prokrastination – und was sie mit Hänsel und Gretel zu tun hat

Hand aufs Herz. Wer kennt es nicht, dass man eine Prüfung aufschiebt, ein Projekt auf die kommende Woche vertagt oder einen Abschlussbericht einfach nicht fertigbekommt? Es gelingt uns in manchen Momenten einfach nicht, die gesetzten Arbeitsziele zu bewältigen, ohne dabei ständig abgelenkt, unstrukturiert oder freudlos zu sein. Doch was steckt dahinter und was hat das Märchen von Hänsel und Gretel damit zu tun? Ein Blick in die psychoanalytische Theorie kann hier aufschlussreich sein.

Prokrastination und das Erfolgs-Paradoxon

Prokrastination ist ein sehr häufiges Phänomen. Ganz allgemein versteht man darunter Probleme mit der Organisation, der Ausführung oder dem Fertigstellen von Arbeiten. Manchmal ist es sogar mit einem Doppelcharakter versehen. So könnte man ja denken, dass man deswegen vor der Masterabschlussprüfung prokrastiniert, weil man Angst hat, die Prüfung nicht zu bestehen. Schließlich würde ein Versagen ja auch bedeuten, noch mehr Zeit in die Prüfungsvorbereitung zu stecken, wenn man den nächsten Prüfungstermin in Anspruch nehmen möchte – oder schlimmer noch – die eigenen Karrierepläne aufgeben zu müssen. Auch Scham wäre damit verbunden, da man sich ja als Versager sehen würde, sollte man die Prüfung nicht bestehen. So weit so gut.

Doch bei Studenten tritt Prokrastination gerade dann oft auf, wenn es um die letzte Prüfung – beispielsweise die Masterabschlussprüfung – geht. Doch sollten sie sich nicht darauf freuen, endlich fertig zu sein und keine Prüfungen mehr schreiben zu müssen? Damit ist auch ein weiteres – durchaus paradoxes Phänomen – verbunden. Sobald die Prüfung dann bestanden wurde, wird ein so mancher Student depressiv und fällt in ein Loch. Dabei müsste er sich doch freuen und vor Stolz und Erleichterung platzen. Doch wie kann das sein?

Die Rolle der Trennungsaspekte des Erfolgserlebens

Aus psychoanalytischer Perspektive bedeutet der Erfolg durch die abgeschlossene Prüfung in dem oben genannten Beispiel die Trennung vom vorherigen Zustand. Aber auch der Erfolg durch eine befriedigende Arbeit – sei es ein Projekt, ein Kunstwerk oder ein Buch – befördern jemanden von einem Identitätszustand in einen anderen. In unserem obigen Beispiel würde das bedeuten, dass die Masterabschlussprüfung den Studenten vom Adoleszenten zum jungen Erwachsenen macht und er sich so für immer von seiner Kindheit trennen muss. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass die dadurch erreichte Identität viele andere ausschließt und man sich nicht nur von seiner bisherigen Identität, sondern eben auch von den damit verbundenen Mitmenschen – Kommiliton*innen, Tutor*innen, Dozent*innen, Professor*innen – trennen muss.

Prokrastination – ein Kompromiss zwischen Autonomie und Abhängigkeit

Durch diese drohende Trennungssituation wird der Konflikt zwischen Autonomie- und Abhängigkeit aktualisiert. Dieser ubiquitäre Konflikt beschreibt – kurz gesagt – die Ambivalenz zwischen Freiheit und Geborgenheit. Während die eine Seite des Konfliktes – also die Autonomieseite – Unabhängigkeit und Erfolg fordert, fordert die andere Seite – die Abhängigkeitsseite -Verbundenheit und Loyalität. Die bevorstehende Abschlussprüfung und die damit verbundene Möglichkeit, Erfolge zu erzielen, Fortschritte zu machen und damit weiter zu kommen macht Angst – Angst davor, das Bestehende zu verlieren oder zu verlassen bzw. verlassen zu werden.

Eng verbunden mit der Trennung vom Bestehenden sind häufig auch unbewusste Schuldgefühle, den anderen zu verlassen, seine Beziehung zu ihm zu verändern oder sich zu verändern. In unserem Unibeispiel bedeutet dies, dass man sich nicht von den „treuen Begleitern aus der Uni“ trennen will, da man Ihnen ja zu großem Dank verpflichtet ist. Schließlich haben sie einem selbst Orientierung und Halt auf dem eigenen Weg gegeben. Gleichzeitig wird die Zuwendung zur Welt da draußen nach der letzten Prüfung als schuldhaft angesehen. Um diesen inneren Konflikt in Schach zu halten, wird prokrastiniert – die Küche muss geputzt, der Schreibtisch noch schnell aufgeräumt und die beste Freundin noch eben zurückgerufen werden. Nur die Prüfungsvorbereitung wird immer weiter nach hinten verschoben….

Hänseln und Gretel und die doppeldeutigen Botschaften

Eine mögliche Ursache für die Entstehung von Prokrastination und damit für die Entstehung eines Autonomie-Abhängigkeits-Konfliktes können doppeldeutige Erfolgsbotschaften in der eigenen Herkunftsfamilie sein, welche nicht dem Kind, sondern den Eltern gebühren:

Hierzu nun auch das Beispiel aus dem Märchen Hänsel und Gretel: Wie Sie bestimmt wissen, gibt die Hexe dem eingesperrten Hänsel, zu essen. Dabei erkundigt sich die Hexe immer wieder, ob er nun endlich zugenommen hat – also, ob ein Erfolg eingetreten ist. Diesen Erfolg will sie aber nicht für Hänsel, sondern für sich, da sie ihn ja mästen und verspeisen will.

Hänsel und Gretel – andere mästen für die eigenen Zwecke…

Ähnlich wie in dem Märchen verhält es sich auch oft zwischen den Eltern und ihrem Kind, dem späteren „Prokrastinierer“. Eine solch doppeldeutige Botschaft wäre beispielsweise, dass die Eltern zwar vor ihren Freunden stolz auf ihr Kind sind und mit ihm prahlen, es aber gleichzeitig dafür abstrafen, „etwas Besseres sein zu wollen“ und es damit entwerten. Obwohl der Erfolg erwünscht ist, wird er doch nicht ausgehalten. Das Kind solcher Eltern steckt in einem Dilemma: Was es auch tut, es ist der Verlierer. Hat es keinen Erfolg, bleibt es innerlich an den Teil der Eltern, der den Erfolg nicht aushalten kann, gebunden; hat es aber Erfolg, kann es ihn nicht genießen, da ihn die Eltern für sich beanspruchen. Da der Erfolg auf das Konto der Eltern verbucht werden soll, kann der Erfolg auch nicht für die eigene Identität des Kindes und der damit fortschreitenden Ablösung von den Eltern verwendet werden – Prokrastination entsteht.

Lösungsversuche – die Konfliktanteile besänftigen

In der Praxis sieht man häufig verschiedene Lösungsversuche. Dabei handelt es sich meist um Kompromisslösungen, um diesen inneren Konflikt zu bewältigen und die beiden inneren Konfliktseiten zu besänftigen. Ein Beispiel dafür wäre eine Studentin, welche sich zwar auf die Prüfung vorbereitet, aber immer zwei Prüfungsinhalte irrationaler Weise vor sich hinschiebt. Dadurch schöpft sie ihre Möglichkeit, im Studium erfolgreich zu sein nicht völlig aus und kommt so dem Vorwurf des einen inneren Anteiles – der die Abhängigkeit von den Eltern fordert und doch nicht so erfolgreich ist – zuvor. Auf der anderen Seite macht sie sich jedoch genau diese Prokrastinationstendenz zum Vorwurf, sie würde nicht fleißig genug lernen. Dieser Anteil treibt sie wiederum zu Fleiß und Anstrengung an. In diesem Beispiel kann eine völlige Prüfungsvermeidung oder gar ein Studienabbruch verhindert und das Studium – trotz unausgeschöpfter Leistungsfähigkeit – abgeschlossen werden. Gelingt dies jedoch nicht oder leidet man darunter, seine eigene Leistungsfähigkeit nicht völlig ausschöpfen zu können, kann auch ein psychoanalytisches Coaching hilfreich sein. Wir helfen Ihnen gerne, Ihre innere Dynamik hinter Ihrem Prokrastinationsverhalten zu verstehen und zu bearbeiten, damit Sie Ihr Potential voll ausschöpfen können.

Falls auch Sie unter Prokrastination leiden und Interesse an einem psychoanalytischen Businesscoaching haben, stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite.

Kontaktieren Sie uns gerne. 

 

M.Sc. Julia Perlinger, Coach bei dynaMIND

 

Wenn Sie sich interessieren, wie Sie Prokrastination als Chance nutzen können, lesen Sie doch hier den Artikel unserer Kollegin Andrea Wurst.

Prokrastination – eine Chance für persönliche Weiterentwicklung