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Psychoanalytisches Business Coaching

Psychische Belastung in der Corona-Pandemie – Was uns Halt gibt in Zeiten der Unsicherheit

Die Corona-Pandemie führt neben dem realen gesundheitlichen Risiko auch zu vielen psychischen Belastungen. Laut Cosmo-Studie nehmen rund 50 % der befragten Deutschen im Alter von 18 bis 74 Jahren derzeit ihre persönliche Situation als belastend wahr (Stand: Ende Oktober 2020). Die Sorgen und Ängste variieren dabei mitunter stark. Während sich die einen Sorgen um finanzielle Belastungen machen, die durch einen (drohenden) Jobverlust auftauchen, sorgen sich andere um nahestehende Familienmitglieder oder Freunde, für die das Virus ein größeres Risiko darstellen könnte. Andere wiederum fühlen sich durch die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen eingeschränkt und belastet, fühlen sich vielleicht einsam oder gar haltlos.

Wie unsere Psyche mit Bedrohlichem umgeht

Auch in unseren Träumen tauchen Sorgen und Ängste auf. Es gibt aber auch viele Menschen, die sich von der Pandemie nicht beeinträchtigt zu fühlen scheinen, zumindest nicht auf bewusster Ebene. Bei einigen von ihnen zeigen sich Sorgen und Ängste vielleicht aber in ihren Träumen, die in der Psychoanalyse als Schlüssel zum Unbewussten verstanden werden. Der Traumforscherin Deidre Barrett zur Folge haben die Menschen, ähnlich wie nach anderen traumatischen Erfahrungen, wie Terroranschlägen oder Naturkatastrophen, auch während der Corona-Pandemie gehäuft Angstträume. Ein Bild, das in ihrer Erhebung immer wieder auftauchte, waren Käfer. Menschen berichteten, wie sie in ihren Träumen von Käferschwärmen befallen wurden. Entscheidend sei, laut Barrett, die hohe Anzahl der Käfer – einzeln zu bewältigen, als Schwarm hingegen werden sie zur Bedrohung, wir können nun nicht mehr jeden Käfer im Blick behalten. Viele Menschen assoziieren mit Käfern und deren Berührung Gefühle von Ekel und Angst. In der Corona-Pandemie könnten die Käferschwärme für die kleinen Viruspartikel stehen, die jeder für sich, nicht sichtbar und unbedrohlich zu sein scheint, erst bei hoher Viruslast besteht (bedeutsame) Infektionsgefahr. Wir fürchten uns vor der Berührung, die sich in Ekel ausdrückt. Wir schützen uns, indem wir Masken tragen und uns die Hände (rein) waschen und damit die nicht vermeidbare Berührung rückgängig machen. Und am meisten sorgt uns die Ungewissheit, welchen Einfluss der Befall und die Berührung auf uns haben wird. Ein gefühlter Kontrollverlust, der belasten kann.

 

Was gibt uns Halt in Zeiten der Unsicherheit?

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und soziale Unterstützung

Die Sorge und Ungewissheit hat insbesondere am Anfang der Corona-Pandemie vielerorts zu einem stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt geführt (Studie der Bertelsmann Stiftung). Jüngere Menschen haben älteren Nachbarn angeboten, für sie einkaufen zu gehen. Menschen haben sich an soziale Regeln, wie Abstand einhalten oder Masken tragen gehalten, um andere zu schützen. Ein Gefühl von Solidarität und Zugehörigkeit ist entstanden. Auch auf individueller Ebene haben sich viele in der Krise sozialen Halt gesucht. Die einen haben den Halt in der Familie oder im Freundeskreis gefunden, andere wiederum in der Partnerschaft. Soziale Kontaktpunkte haben sich vom realen Setting in das virtuelle verlagert, Zoom-Treffen statt Feierabendbier in der Lieblingskneipe um die Ecke. Diejenigen, die viel Halt durch sichere Bindungen zu Bezugspersonen erfahren, fühlen sich durch die Unsicherheit der Pandemie weniger belastet.

Ein weiterer Ort der sozialen Zusammenkunft ist der berufliche Kontext. Auch hier wurden virtuelle Kaffeepausen und Team Meetings eingerichtet, damit Kolleg*innen weiter miteinander im Kontakt sein können. Der regelmäßige Austausch mit Gleichgesinnten – sei es über inhaltliche Themen oder auch über den Umgang mit der Arbeit im Home Office – kann als sehr entlastend erlebt werden.

Halt am Arbeitsplatz

Was können Sie als Führungskräfte tun? Auch als Führungskraft haben Sie insbesondere in Zeiten der Unsicherheit eine wichtige Funktion. Mitarbeiter*innen, die besorgt sind, ob sie ihren Job verlieren könnten, oder Schwierigkeiten haben, aus dem Home Office heraus zu arbeiten, wünschen sich Rückversicherung und Halt. Führungskräfte müssen in diesen Zeiten einmal mehr Ängste und Sorgen der Mitarbeiter*innen aufnehmen und in sich halten. In der Psychoanalyse nennen wir dieses Phänomen Containment. Dadurch geben Sie Ihren Mitarbeiter*innen Halt und fördern ihre emotionale Verarbeitung. In verdauter Form werden die Ängste und Sorgen dann an die Mitarbeiter*innen zurückgeben, denn auch Transparenz und offene Kommunikation ist in Krisenzeiten von essentieller Bedeutung. Ein Beispiel wäre die transparente Kommunikation, dass Projektgelder gestrichen oder gekürzt werden, Jobs aber erhalten bleiben. Auch im Fall von notwendigen Kündigungen ist eine frühzeitige und offene Kommunikation wichtig, denn diese beunruhigt zwar im ersten Schritt, gibt den Mitarbeiter*innen im zweiten Schritt aber auch ein Gefühl von Kontrolle. Nun können sie sich mit der Neuorientierung auseinandersetzen. In diesem Fall kann ein Outplacement-Coaching hilfreich sein, die Mitarbeiter*innen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen.

M.Sc. Leonie Derwahl, Coach bei dynaMIND