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Psychoanalytisches Business Coaching

Scham – Gesichter eines Affekts im Unternehmen

Beruflicher Alltag bedeutet häufig auch Performancedruck. Das geht nicht selten auch mit einem Erleben von Unsicherheit, Druck oder mancherorts sogar Scham einher. Schamgefühle werden aber meist als extrem unangenehm und paradoxerweise häufig als wiederum beschämend erlebt. Dem wollen wir heute etwas entgegen setzen. In diesem Artikel soll es um den (versteckten) Sinn und das Potential von Schamgefühlen gehen.

Wofür schäme ich mich?

Schamszenen im Unternehmen sind alltäglich und die Auslöser vielfältig: So kann man sich für einen wahrgenommenen Fehler, eine Schwäche, einen Defekt oder einen Makel schämen. Wer kennt es nicht, dass man auf eine einfache Frage im Vorstellungsgespräch keine überzeugende Antwort geben konnte, einen Vortrag verrissen hat oder Arbeitsaufgaben nicht rechtzeitig einreichen konnte und dies als große Blamage erlebt? In der Öffentlichkeit – zum Beispiel in einem Meeting oder im Großraumbüro – wird das Gefühl noch verstärkt. Für viele Menschen ist das der blanke Horror. Ein weiteres Beispiel sind Rollenkonflikte am Arbeitsplatz. Auch diese können aufgrund der teilweisen oder vollständigen Unvereinbarkeit der verschiedenen Rollen zu Verlegenheit und Scham führen. Dies ist zum Beispiel der Fall wenn eine Verkäuferin sich im Konflikt sieht ihren Kund*Innen eine persönliche und ehrliche Beratung zu gewährleisten, von Ihrer Chefin jedoch mit der Erwartungshaltung konfrontiert wird, dass sie sich auf den Verkauf möglichst vieler Produkte konzentrieren solle. All diese Beispiele zeigen, dass Scham gerade da entsteht, wo wir den eigenen Vorstellungen von uns selbst nicht entsprechen. Psychodynamisch ausgedrückt könnte man auch sagen, dass es in solchen Momenten eine Diskrepanz zwischen unserem Ich und unserem Ich-Ideal gibt.

Scham und Verachtung

Wer sich nach solchen Ereignissen am Arbeitsplatz schämt, will sprichwörtlich am liebsten im Erdboden versinken, sich unsichtbar machen und sich den Blicken der anderen entziehen. Wir schämen uns also gerade dann, wenn wir fürchten, von unseren Kolleg*Innen oder unseren Vorgesetzten verachtet und in unseren Intimitätsgrenzen verletzt zu werden oder wenn wir denken, unseren Rollenerwartungen nicht gerecht zu werden.

Die Funktion von Scham

Doch dieses Schamgefühl hat auch einige wichtige Funktionen. Zum einen stört es die Selbstverständlichkeit unseres Selbstgefühls und schafft somit ein Bewusstsein für die eigene Erwartungshaltung und die des Anderen. Illusionäre Vorstellungen von sich selbst können aufgegeben und das eigene Selbstbild kann besser an die Realität angepasst werden. In Bezug auf die Rollenkonflikte hat die Scham sogar zwei Funktionen. Zum einen motiviert sie die Konformität mit dem erwünschten Verhalten in einer Rolle – was jedoch aufgrund der Unvereinbarkeit verschiedener Rollenerwartungen unmöglich ist. Zum anderen kann sie zu einer Überarbeitung des Selbstkonzeptes und der Beziehungen zu den Kollegen und Vorgesetzten führen und die verschiedenen Rollenkonzepte integrieren. Insgesamt kann das Gefühl der Scham also auch als Chance angesehen werden, die Situation zu reflektieren und es beim nächsten Mal besser zu machen, bzw. Rollenerwartungen zu integrieren.

Doch im Arbeitsalltag sieht es oft anders aus. Schließlich möchte sich niemand eine Blöße geben. Eine klassische Situation ist das Team- Meeting, bei dem die Führungskräfte versuchen, herauszufinden, was genau im letzten Projekt schiefgelaufen ist. Nicht selten passiert es dann, dass das Gefühl der Scham durch eine aktive Tat der Beschämung oder Beschuldigung anderer abgemildert wird. „XY ist schuld. Er hat die letzten Zahlen nicht aktualisiert“, heißt es dann schnell – die Scham wird also abgewehrt und kommt nicht offenkundig, sondern als Schuld maskiert zu Tage.

Was hilft…

Doch was hilft, um diesen ungeliebten Affekt, der uns meist plötzlich und unverhofft erwischt, zu bannen? Schließlich gibt es im Arbeitsalltag immer wieder Situationen, in denen die Kolleg*Innen oder unsere Vorgesetzten nicht allzu nett zu uns sind. Die beste Vorbeugung gegen Beschämung ist ein stabiles Selbstwertgefühl. Wer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, braucht die argwöhnischen Blicke der Kolleg*Innen und Vorgesetzten nicht zu fürchten. Wer sich und seinen eigenen Wert kennt, ist zudem weniger auf die Anerkennung durch die Kolleg*Innen oder Vorgesetzten angewiesen und kann leichter mit schambesetzten Situationen umgehen. Wer jedoch immer wieder in beschämende Situationen gerät, sollte sich fragen, ob er oder sie nicht ein eingebautes Programm des Scheiterns hat, welches es aufzuarbeiten und zu verstehen gilt.

Psychoanalytisches Businesscoaching kann Ihnen helfen, Schamkonflikte im Unternehmen wahrzunehmen, aufzudecken und die dahinterliegende Dynamik zu verstehen. So gelingt es, das Schamgefühl zu mindern und einen souveränen Umgang mit Schamkonflikten zu entwickeln. Bei Interesse melden Sie sich bei uns, wir beraten Sie gerne zu Ihren Möglichkeiten.

 

M.Sc. Julia Perlinger, Coach bei dynaMIND