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Psychoanalytisches Business Coaching

Worte gegen Stress: Die Wirkung von Kommunikation in der Krise

Die Art wie kommuniziert wird, hat in einer Krise großen Einfluss auf die Psyche der Bevölkerung. Während die mit dem Virus infizierten Menschen und deren Angehörige direkt an der Krankheit leiden, sind wir zugleich alle den Folgen der medialen Kommunikation ausgesetzt.

Kommunikation in Krisenzeiten

Seit der neu aufgetretene Corona-Virus Ende 2019 in Wuhan, China erstmals identifiziert wurde, hat er sich rasant über den gesamten Globus ausgebreitet. Die Nachrichten folgten ihm ebenso schnell nach. Am 30. Januar 2020 hat die Welt Gesundheitsorganisation (WHO 2020) den Ausbruch des Virus als „public health emergency of international concern“ bewertet, mit 11. März schließlich als „Pandemie“.

Wissenschaftler forschen mit Nachdruck, um aus den bestehenden Daten Vorhersagen für die Zukunft zu berechnen, einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln und wirksame Medikamente zu generieren. Gleichzeitig beschäftigen sich öffentliche Stellen und die Politik mit der Kommunikation der Datenlage an die Bevölkerung, damit sich die Bevölkerung auf die Lage einstellen kann und die Entscheidungen und Forderungen der Politik für die Menschen nachvollziehbar sind.

Stress vs. Beruhigung : Der Einfluss der medialen Kommunikation auf die Psyche

In Zeiten der Krise ist Kommunikation besonders wichtig, um Wissen auszutauschen und einen Diskurs über schwierige Themen zu führen. In Zeiten von Unsicherheit möchten sich die Menschen informieren, um das Risiko adäquat einzuschätzen. Sie suchen nach Meinungen, Hilfe und Beruhigung.

Doch liefern die Medien nicht immer Wissen und klare belastbare Fakten. Gerade jetzt wird wirr kommuniziert, die Meinungen sind oft gegensätzlich und die Fakten verändern sich stündlich. Das kann erheblichen Stress verursachen. So zeigte eine Studie von Silver (2013), dass es einen Zusammenhang von Medienkonsum während des Anschlages 9/11 in New York und Posttraumatischer Belastungsstörung nach dem Anschlag gab. Eine andere Studie belegte, dass Menschen mit hohem Medienkonsum von höherer Stressbelastung berichten, als Menschen, die direkt an der Situation beteiligt waren (Holman, Garfin, & Silver, 2014). Menschen, die gestresst sind, konsumieren mehr Medien und werden durch die Art der Berichterstattung noch mehr geängstigt.

Stressantworten auf eine Krisensituation können sich in Coping-Verhalten zeigen, wie dem übermäßigen Kauf von Klopapier, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und Mundschutz. Das Coping-Verhalten, das dem Einen hilft, Stress zu verarbeiten, kann wieder neuen und unnötigen Stress verursachen. So können Berichte über Schlägereien um Klopapier neue Unsicherheit hervorrufen und ein Engpass von Schutzkleidung, Mundschutz und Desinfektionsmittel wird nicht nur neue Ängste auslösen, sondern reale Ansteckungen ermöglichen, weil dringend benötigter Schutz an wichtiger Stelle fehlt.

Welche Art der Kommunikation ist sinnvoll?

Je mehr unangenehme Affekte durch die Berichterstattung in der Krise entstehen, umso mehr wenden Menschen unbewusste Bewältigungsstrategien an. Sie verdrängen, werden zum Vogel-Strauß, der den Kopf in den Sand steckt oder verleugnen die Gefühle und Gefahren. Sie flüchten sich in die Regression, essen mehr, lassen sich von Medien berieseln. Dieses Verhalten kann nur stoppen, wer sich bewusst mit seinen Gefühlen auseinandersetzt. So ist es unumgänglich und gut, dass Informationen an die Bevölkerung weitergegeben werden und die reale Lage kommuniziert wird. Wenn politische Führungspersonen regelmäßig zur Bevölkerung sprechen und Worte für die Angst finden, dann hat das die positive Signalwirkung, dass etwas Ängstigendes auszuhalten und handhabbar ist. Informationen sind einheitlicher und gesicherter, wenn sie von großen Institutionen weitergeben werden. Ein Austausch zwischen der Bevölkerung und den Politikern über die Medien ermöglicht Reflektion in beide Richtungen. Ein Diskurs über Themen wie eine Gesundheits-App zum Tracking von Kontaktpersonen, Datenschutz und auch eine Diskussion über Pros und Contra einer Kontaktsperre sind notwendig. Je mehr Positionen ausgetauscht werden und Menschen zu Wort kommen, desto mehr beschäftigt man sich auch mit der Realität, verknüpft die neue Herausforderung mit alten Werten und findet in diesem Zuge eine Sprache für das bisher Unaussprechliche, weil noch nicht dagewesene.

Worte finden

Worte zu finden, ist in Zeiten der Krise um so wichtiger, um so weniger der Austausch mit Kollegen auf dem Flur, in der Schule mit den Betreuern der Kinder, mit Nachbarn und Freunden stattfindet. Je mehr ein Gefühl der Isolation vorherrscht, umso mehr sehnen wir uns nach verbindender Kommunikation. Hören wir von länderübergreifenden Hilfen, dann wirkt das dem Mechanismus entgegen, Verunsicherungen und Ängste nach außen, auf fremden Kulturen, Religionen und Länder zu projizieren. Die Sündenbockstrategie der Projektion schafft kurzfristig Erleichterung, doch kreiert sie längerfristig weitere Ängste.

Kommunikation kann helfen, eine Grenze zwischen realer Bedrohung und Hysterie zu ziehen. Berechenbare Statistik soll unberechenbare Bedrohung vermindern. Auf der Suche nach einer mathematischen Sicherheit werden Statistiken errechnet, doch helfen diese Zahlen, der Angstabwehr nur begrenzt, da sie vom Restrisiko stehts auf neue durchkreuzt werden.

Daten, die Sicherheit geben, sind individuelle Daten, denn über die hat jeder Einfluss. Wie geht der oder die Einzelne mit der jetzigen Situation um? Welche positiven Eigenschaften lassen ihn/sie die heutige Ausnahmensituation gut meistern? Ist das Heute gut auszuhalten und macht vielleicht nur das Ungewisse der Dauer die Situation unangenehm? Für die mediale Berichterstattung hieße das, viele Einzelgeschichten von Menschen zu erzählen, die die Krise positiv bewältigt haben.

Für den Einzelne heißt es, den Medienkonsum eigenverantwortlich zu stoppen, wenn das Bedürfnis im Bilde zu sein, befriedigt wurde und sich die Datenkommunikation im Kreis dreht. Ein bewusstes Ankommen bei sich selbst und ein achtsames Verweilen bietet einen großen persönlichen Datenschatz, der hilft richtige Konsequenzen zu ziehen. Diese ganz persönlichen Daten können auch im Einzelcoaching bei dynaMIND in Berlin mit einem Coach als Sparringspartner ausgewertet werden.

Eva Weiße, Psychologin B.Sc., Coach bei dynaMIND und Leiterin des Workshops Stressbewältigung in Berlin Mitte (ab Mi 20.4.2020)