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Psychoanalytisches Business Coaching

Trauer um den Verlust des Arbeitsplatzes – Eine Chance für die persönliche Entwicklung

Die meisten Menschen wechseln mehr als einmal in ihrer beruflichen Laufbahn ihren Arbeitgeber. Die einen treffen diese Entscheidung aktiv, häufig mit dem neuen Job in der Tasche, freuen sich auf die neue Herausforderung. Die anderen wiederum werden von einem Tag auf den anderen mit der Kündigung konfrontiert. Vielleicht haben Sie es schon geahnt, vielleicht gibt es eine Stimme in Ihnen, die auch erleichtert ist, dass Ihnen die Entscheidung abgenommen wurde. Vielleicht löst die plötzliche Veränderung aber auch Angst und Verzweiflung aus. Insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie, wo das Gefühl der Unsicherheit ohnehin groß ist. Aber jede Veränderung, ob selbst initiiert oder von außen herbeigeführt, ist auch eine Chance für die persönliche Entwicklung.

Wenn wir selbst kündigen
Vielleicht ist es anfangs eine ganz leise innere Stimme, die uns sagt, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Wir möchten etwas Neues ausprobieren, sind gelangweilt, haben das Gefühl auf der Stelle zu treten und fragen uns, ob das alles im Leben sein soll. Wir merken, dass unsere Kreativität abnimmt und auch unser Engagement, Lösungen zu finden. Schleichend wird die innere Stimme lauter und lauter und wir beginnen, uns umzuschauen. Wir besinnen uns auf uns selbst, fragen uns, wer wir sind, wer wir sein möchten und was unsere berufliche Vision ist. Durch dieses erste Hinterfragen beginnt die Abnabelung und der Trauerprozess. Ab diesem Punkt beleuchten wir Faktoren, die uns wichtig sind, damit wir zufrieden sind mit und bei unserer Arbeit: Die netten Kollegen auf der einen Seite, die wenig herausfordernde Tätigkeit auf der anderen. Und dann spielen da noch Faktoren wie das Gehalt oder auch Aufstiegschancen eine wichtige Rolle. Am Ende dieses Abwägungsprozesses kommen wir zu einer Entscheidung und sind damit häufig einen Schritt weiter gekommen in Richtung Selbstfindung.

Wenn wir gekündigt werden
Anders sieht es aus, wenn wir gekündigt werden. Der oben beschriebene Prozess setzt dann erst viel später ein. Von einem auf den anderen Moment verändert sich unsere Zukunftsperspektive, ohne dass wir darauf einen Einfluss haben. Uns wird Halt genommen und wir beginnen uns zu sorgen – um die ungewisse Zukunft, um die finanzielle Absicherung und um unser lieb gewonnenes soziales Umfeld bei der Arbeit. Um all das, was wir durch den Jobverlust verlieren. Vielleicht reagieren wir auch mit Wut: Wir haben doch immer alles gegeben, haben Überstunden angehäuft und unsere Arbeit gewissenhaft erledigt – ist das nun der Dank für die harte Arbeit? Vor allem diejenigen, die hoch mit ihrer Arbeit identifiziert sind, fühlen sich verloren. Hier tauchen häufig Fragen auf: Wer bin ich ohne meine Arbeit? Oder: Welchen Sinn habe ich in meinem Leben, außer meiner Arbeit?
Nach dem anfänglichen Schock und der Wut, setzt dann auch hier der Wandlungs- und Trauerprozess ein.

Die Psychoanalyse der Trauer
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse hat sich schon 1915 viel mit dem Thema der Trauer beschäftigt. Und auch wenn viele seiner Gedanken bis heute überarbeitet wurden, so sind seine Erkenntnisse zur Trauer auch heute noch sehr aktuell. Für Freud handelt es sich bei der Trauer um eine dysphorische Reaktion auf den Verlust von etwas, das für uns einen hohen Wert hat – im Fall der Kündigung der Arbeitgeber bzw. der Arbeitsplatz. Den Trauerprozess als solchen versteht Freud als eine Art „psychische Arbeit“, mit dem Ziel, sich von dem verlorenen Objekt zu lösen. Der Trauerprozess stellt insofern eine Anpassungsleistung des oder der Trauernden dar. Diese Anpassung besteht darin, dass die Endgültigkeit des Verlustes ertragen werden muss. Hierfür müssen wir den Verlust nach Freud durchleben, indem wir uns bewusst sowohl mit den positiven als auch negativen Aspekten des Verlorenen beschäftigen. Nur so können wir das Verlorengegangene integrieren und als Teil von uns selbst begreifen, den wir an einem neuen Arbeitsplatz neu einbringen und erleben können. Im Fall des Arbeitsplatzverlustes: Berufliche Erfolge und Misserfolge, gute Arbeitsbeziehungen mit Kolleg*innen, aber auch schwierige Interaktionen mit Vorgesetzten.
Während dieses Trauerprozesses muss aus Perspektive der Objektbeziehungstheoretiker der durch den Verlust frei gewordene innere Raum neu gefüllt werden. Hierfür braucht es sogenannte gute innere Objekte, das heißt Repräsentanzen von früheren Bezugspersonen, die wir verinnerlicht haben und die uns Sicherheit und Halt geben. Auch ein zugewandtes Gegenüber, das Trost spendet und hilft den Schmerz der Verlusterfahrung auszuhalten, kann uns Halt geben. Wenn innerer und äußerer Halt nicht gegeben sind, dann können das, dem Verlust innewohnende, Ohnmachtsgefühl und die begleitende Wut als überwältigend erlebt werden. In diesem Fall kann ein normaler Trauerprozess in eine pathologische Form – in eine Depression – münden.

Die Chancen der Trauer
Trennungserfahrungen sind eine unabdingbare Voraussetzung für psychische Entwicklung. Trennung erleben wir in vielen Lebensbereichen und über unser ganzes Leben hinweg immer wieder. Im frühen Erwachsenenalter ziehen wir aus dem Elternhaus aus und trennen uns von unseren Eltern, wir werden erwachsen. Wir lösen wir uns aus toxischen Beziehungen, um uns nicht selbst zu verlieren, wenn wir merken, dass die eigenen Grenzen verloren gegangen scheinen. Wir trennen uns aus einer Arbeitsbeziehung, weil wir merken, dass wir stehen geblieben sind, dass wir den Pfad der Entwicklung und (beruflichen) Selbstfindung verlassen haben. Erst durch diese Trennungen und Brüche beginnt der psychische Entwicklungsprozess. Der mit der Trennung einhergehende Trennungsschmerz, die Kränkung oder Wut, regen uns dazu an, wichtige Fragen zu stellen, uns und unser Leben zu hinterfragen. Wir kommen in Kontakt mit uns selbst und am Ende dieses Prozesses können wir (in den meisten Fällen) unseren inneren Kompass neu auszurichten. Das mag den Schmerz des Trennungsprozesses nicht lindern, wohl aber diesem einen Sinn geben.

M.Sc. Leonie Derwahl, Coach bei dynaMIND