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Psychoanalytisches Business Coaching

Was uns die Krise bringen kann

Auch wenn die Krise noch nicht vorbei ist   – wir können schon jetzt einiges aus den letzten Wochen lernen.

Der Sommer in Berlin und im Rest Deutschlands hat das Schreckgespenst „Coronavirus“ bei einigen deutlich verblassen lassen. Viele von uns spüren den Wunsch, so weit wie möglich zur Normalität zurückzukehren und sich gedanklich weniger mit dem „großen C“ auseinander zu setzen. Auch die Politik hat auf das zur Zeit geringe Infektionsgeschehen reagiert und die Kontaktbeschränkungen weitgehend aufgehoben, während Abstandsregeln und Maskenpflicht in vielen öffentlichen Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln, sowie Supermärkten weiterhin gelten. Hinweise auf „geringere Ansteckungsgefahr im Freien“ und saisonalen Effekten lassen hoffen. Gleichzeitig mahnen Wissenschaftler wie Christian Drosten im „Coronavirus-Update“ zur Vorsicht: ob es eine zweite Welle im Herbst gibt, liegt „in unserer Hand“. Das Thema wird uns also weiterhin begleiten und auch die Bedrohung bleibt allgegenwärtig, auch wenn wir sie, mal mehr und mal weniger erfolgreich verdrängen.

Jetzt wo, zumindest in Deutschland, aktuell ein relativ geringes Infektionsgeschehen herrscht, finde ich es einen geeigneten Zeitpunkt einmal zurück zu blicken. Denn eine innere Auseinandersetzung mit der Krise hat schon längst begonnen, vermutlich begleitet sie uns schon seit dem Beginn dieser eigenartigen Phase, die uns alle gemeinsam und doch wieder so unterschiedlich beeinflusst hat.

Was hat diese Krise mit uns gemacht? Was hat und kann sie uns vielleicht bringen?

Beziehungen – der Kern unseres Lebens

Wir alle haben die Kontaktbeschränkungen und den Umgang mit Ängsten und Einsamkeit ganz unterschiedlich erlebt. Manche sind sich erst richtig ihrer Einsamkeitsgefühle bewusst geworden, andere haben sich möglicherweise in ihre partnerschaftliche Beziehung geflüchtet, getrieben durch den Wunsch, im Vertrauten Schutz zu suchen. Viele Familien haben neben den schwierigen Bedingungen, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ein Verstärken der Beziehung zu Ihren Kindern oder Eltern erlebt, oder ein Zusammenwachsen der Geschwister untereinander festgestellt, die auf einmal nur noch einander hatten. Wenn wegfällt, was uns im Leben als selbstverständlich erschien, wie uns ungehindert bewegen zu können oder unsere Kinder in die Kita oder Schule zu bringen, wird deutlicher, was uns wichtig ist und was wir wirklich brauchen: Kontakt zu anderen, Nähe und Schutz sind Grundbedürfnisse und zu jeder Zeit essentiell für unser Überleben bzw. für unser Wohlbefinden und unsere psychische Gesundheit. In Beziehungen erkennen wir uns selbst, dadurch dass wir den Anderen erkennen. Wir lernen voneinander, so wie Kinder von ihren Eltern lernen und Eltern von ihren Kindern.

Einsamkeit – ein unterschätztes (und unbeliebtes) Gefühl

Auch wenn es keine weltweite Pandemie braucht, um sich einsam zu fühlen, hat die Corona-Krise wohl bei vielen Menschen Einsamkeitsgefühle hervorgerufen bzw. deutlicher hervortreten lassen, da Ablenkung und soziale Kontakte, wie z.B. tägliche Kontakte zu Mitarbeitern wegfielen. Manche waren vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben über mehrere Tage oder Wochen alleine, auch wenn es keine Voraussetzung ist, alleine zu sein, um Einsamkeit zu empfinden. Sich einsam und nicht zugehörig zu fühlen, hinterlässt im Gehirn die gleichen neuronalen Muster wie körperlicher Schmerz. Es ist damit eindeutig eine heftige und negative Empfindung und trotzdem möchte ich hier wagen zu behaupten, dass Einsamkeit auch Chancen beinhaltet. Wenn wir uns alleine fühlen, können wir gleichzeitig mehr bei uns sein. Wir spüren vielleicht zum ersten Mal nach langer Zeit, dass wir unglücklich oder unzufrieden sind. Wir können diese Gefühle ergründen, statt sie auszublenden und uns abzulenken. Damit kann Einsamkeit uns einen Weg bieten, uns mehr mit uns auseinanderzusetzen, uns selbst zu begegnen.

Schnelles politisches Handeln ist möglich

Die meisten von uns dürften geschockt oder zumindest zeitweise besorgt gewesen sein, mit welcher Geschwindigkeit unsere Grundrechte in der Krise ausgesetzt wurden und auch immer noch werden, was einige Menschen sogar dazu brachte Verschwörungstheorien aufzustellen, um die aufkommenden Ängste in Schach zu halten. Gleichzeitig hat das schnelle Reagieren der Politiker*innen und die enge Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft während der Krise gezeigt: es geht – schnelles Handeln und rasches Lösen von Konflikten ist in der Politik möglich, wenn der Druck (durch die sich weltweit ausbreitende Pandemie) nur hoch genug ist.

Dies lässt hoffen für andere, ebenso wichtige, jedoch weniger dringlich erscheinende Themen, wie den Klimawandel. Über die psychodynamischen Hintergründe des Klimawandels und warum auch nach der Krise ein kollektives Umdenken in Sachen Klima eine Herausforderung darstellen wird, haben wir von DynaMind bereits in einem früheren Artikel berichtetet (Siehe – Link „Die Illusion der Unabhängigkeit, Klimawandel begreifen).

Home-office, Online-meetings & Online learning

Während es in der Zeit vor Corona häufig hieß, Deutschland tue sich im internationalen Vergleich schwer auf dem Weg zur Digitalisierung – zu kompliziert, zu aufwendig, zu teuer – haben die Kontaktbeschränkungen und Versammlungsverbote dafür gesorgt, dass es dann doch zwangsläufig möglich war und irgendwie auch funktionierte: flächendeckend gingen Kolleginnen und Kollegen ins Home-office, Universitäten und Hochschulen stellten ihren Betrieb um auf Online Seminare und sogar Sprechstunden und Psychotherapien wurden online oder per Telefon abgehalten. Außerdem boomten Online-Weiterbildungsseminare, mit denen man sich vielleicht sonst nie beschäftigt hätte. Was haben wir daraus gelernt? Flexibles Arbeiten von zu Hause aus war und ist für einige ein Segen, für andere eine Notwendigkeit wegen gleichzeitiger Kinderbetreuung und zumindest für manche dürfte es auch eine Belastung darstellen, die Arbeit „mit nach Hause zu nehmen“, während der Austausch im Team weg fällt. Zu diesem Thema lässt sich sicherlich noch vieles sagen und die Folgen für den Arbeitsmarkt und die Bildungslandschaft in Deutschland lassen sich zur Zeit noch nicht abschätzen, da wir uns immer noch im Ausnahmezustand befinden und trotz Lockerungen der Kontaktbeschränkungen noch immer viel remote bzw. von zu Hause aus stattfindet. Die wichtigste Lehre, die wir meiner Meinung nach ziehen können: es geht vieles, wenn es sein muss und wir haben jetzt die Chance zu entscheiden, wie wir mit den gewonnenen Erfahrungen umgehen und welche Veränderungen und Methoden wir auch nach der Krise beibehalten wollen.

Ent- oder Be-schleunigung?

Erneut ein Thema bei dem es unterschiedliche Erfahrungsberichte geben dürfte. Manche haben das Wegfallen von Terminen, sozialen Verpflichtungen und (Arbeits-)Wegen als absolute Entlastung erlebt, andere wiederum haben es als eine Entgrenzung der Zeit, die sie für ihre Arbeit aufbringen konnten und als puren Stress erfahren. Sie hatten Schwierigkeiten, Arbeit und Freizeit zu trennen, ganz zu schweigen von der Herausforderung, Kinder zu Hause zu betreuen bzw. zu unterrichten. Egal wie unsere individuellen Erfahrungen ausgesehen haben mögen, die Veränderungen zu denen uns die Umstände gezwungen haben, kann zu neudeutsch als „Wake-up call“ bezeichnet werden: wir haben zu einem großen Teil in der Hand, wie wir unser Leben gestalten und ob wir mit dem Tempo, in dem wir es leben, einverstanden sind. Natürlich gibt es gesellschaftliche und persönliche Verpflichtungen und Verantwortungen, die wir beachten müssen, jedoch können wir innerhalb dieser Beschränkungen navigieren, wir stehen selbst am Steuer. Falls Sie vielleicht öfter das Gefühl haben, dass dies nicht auf Sie zu trifft und sie sich eher als ein Spielball der Wellen erleben oder Sie vielleicht auch gar nicht wissen, wohin die Reise geht, könnte es hilfreich sein ein kostenloses Vorgespräch für ein Coaching bei dynaMind zu vereinbaren. Das beste Anti-Stress Training wird wenig Wirkung zeigen, wenn Sie sich innerer Antreiber noch nicht ausreichend bewusst sind. Wir bei dynaMind verstehen uns aufs Karten lesen und gleichzeitig zu steuern, während draußen auch noch Nebel herrscht.

Sophie Grußendorf, Psychologin und Coach bei dynaMind